2016

Wenn ich darüber nachdenke, wer ich 2016 war, kann ich mich nur noch schwer in diese Lage versetzen.

Fotografisch waren viele meiner heutigen Züge damals schon vorhanden, doch verstanden habe ich sie nicht. Gefestigt habe ich sie erst im Laufe meines Studiums. Von der Naturfotografie oder der – ich sag mal – kalendertauglichen Fotografie habe ich mich distanziert. Die Gehversuche in rauere Gefilde waren 2016 bereits vorhanden, der Fokus auf das Banale sollte folgen. Damals wollte ich die analoge Fotografie noch als überlegen darstellen. Also eher eine Art Abgrenzung statt das Ausleben einer Überzeugung. Mittlerweile ist mir das alles egal. Es ist einfach mein Medium geworden, und es ist offensichtlich (technisch) schlechter als die digitale Variante. Qualität spielt für mich immer noch eine Rolle, doch die Punkte, nach denen ich sie bewerte, haben sich verschoben. Sie sind vielmehr inhaltlicher als technischer Natur, und ich bin mehr bedacht auf Licht, Belichtung und Entwicklung als auf hohe Auflösung und beste Gerätschaft.

Das wichtigste Projekt für mich war 2018, als ich ein paar Monate lang jeden Tag mit 35 mm Film fotografiert habe und die Ergebnisse auch täglich postete. Teilweise habe ich im Sommer mehrere Rollen an einem Tag voll gemacht. Im Rückblick habe ich dabei am meisten gelernt – sowohl in fotografischer Technik und gescheiter Komposition als auch über mein eigentliches fotografisches Interesse. Ich kann das jeder Anfängerin und jedem Anfänger nur ans Herz legen. Tägliche Praxis entlarvt Illusionen. Sie zwingt zur Entscheidung, zur Wiederholung, zum Scheitern. Das schafft Erfahrung. Allerdings hätte man das besser damals gemacht: Filme sind seitdem gut doppelt so teuer geworden, und das ist der einzige Punkt, an dem ich nostalgisch werde – haha.

Verglichen mit meiner Person im Jahr 2016 bin ich ein komplett anderer Mensch. 2016 war für mich das Leben vor Depressionen und Angststörung. Ich habe seitdem einiges durchgemacht, aber auch sehr viel gelernt. Ich bin für alles dankbar, ja, auch für die nicht so guten Dinge, denn sie haben das aus mir gemacht, was ich jetzt bin. Ich habe viel mehr Zugang zu mir selbst und kann auf dieser Grundlage deutlich mehr Empathie anderen Menschen entgegenbringen. Auch meine Fotografie hat davon nur profitiert. Ich bin in der Lage, mein Inneres irgendwie nach außen zu tragen. Meine Fotos sind in dieser Hinsicht manchmal schneller als ich. Insgesamt bin ich ein besserer Mensch geworden, und ich hoffe, ich kann ein ähnliches Statement auch 2036 abgeben. Die Reise hat quasi erst begonnen. Machen wir gemeinsam das Beste daraus.

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